Ein Jahr voller Erfahrungen

Nele van Horn

Dülmen. „Eigentlich ist jeder Tag anders, denn wir unternehmen mit den Bewohnern viel. Ich begleite Stadtbummel, Zoobesuche und bin auch schon mal mit in den Urlaub nach Holland gefahren. Wir gehen zum Schwimmen, ins Kino und fahren zusammen Fahrrad“, erzählt Antonia Messing. Seit zehn Monaten macht sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Wohngruppe im Dülmener Anna-Katharinenstift Karthaus. Hier wohnen und arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Auch pflegerische und hauswirtschaftliche Aufgaben konnte Antonia Messing schnell übernehmen. „Die Bewohner sind so offen und positiv eingestellt und fassen so schnell Vertrauen. Ich hatte von Anfang an keine Ängste“, so die FSJlerin. Nach dem Abitur oder Fachabitur bietet ein FSJ oder ein Bundesfreiwilligendienst (BFD) jungen Menschen eine gute Möglichkeit, sich auf eine Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten. „Viele nutzen das Jahr, um sich zu orientieren. Es muss danach gar nicht in den sozialen Sektor gehen. Manche entscheiden sich für eine ganz andere Richtung und profitieren auch dabei von den vielen praktischen Erfahrungen“, weiß Wohnbereichsleiter Jörg Seichter.

Im Berufsbildungsbereich der Werkstätten Karthaus (WfbM) arbeitet Nele van Horn. Die 19-Jährige betreut Beschäftigte, die nach dem Schulabschluss in der WfbM anfangen. Sie erlernten die Struktur eines Arbeitsalltages, finden hier ihre besonderen Fähigkeiten und Interessen heraus und sammeln erste Handwerksgriffe. Ganz individuell geht die FSJlerin auf die Beschäftigten ein, hört zu, gibt Hilfestellungen und unterstützt sie bei verschiedenen Tests, um beispielsweise die Leistungsstärke zu ermitteln. „Ich habe mich nicht einen Tag überfordert gefühlt. Nach und nach bin ich da hineingewachsen und habe gelernt, wie vielfältig und schön die die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist. Sie sind so grundehrlich und man bekommt alles direkt zurückgemeldet – ob positiv oder negativ“, beschreibt Nele van Horn. Viele Mitarbeiter im Anna-Katharinenstift haben im Laufe der Jahre ein Gespür dafür entwickelt, welche Tätigkeiten welchem FSJler zu zutrauen sind und stehen immer im engen Austausch. „Uns ist es wichtig, dass sich alle wohlfühlen und Freude an ihrer Arbeit haben“, so Jörg Seichter.

Das FSJ richtet sich an 16- bis 26-Jährige, der BFD steht allen Altersgruppen offen. Freiwillige Soziale Dienste Bistum Münster und Freiwilligen Dienste des Deutschen Roten Kreuzes betreuen die jungen Menschen und organisieren regelmäßige Workshops und Treffen. „Die FSJ-Seminare haben jede Menge Spaß gemacht und hatten nichts mit Schulunterricht zu tun. Es waren interessante Workshops und man konnte sich mit anderen Gleichaltrigen austauschen“, erzählt Nele van Horn. Fünfmal im Jahr für jeweils eine Woche finden Gespräche, Spiele, Ausflüge und Übungen statt, um das Gruppengefüge zu festigen, Vertrauen aufzubauen und Selbstkompetenzen zu stärken.

Für Antonia Messing stand früh fest, dass sie im sozialen Sektor arbeiten möchte: „Ich wusste nur nicht, für welchen Beruf ich mich entscheide. Jetzt werde ich soziale Arbeit studieren.“ Auch Nele van Horn möchte weiterhin mit Menschen mit Behinderung arbeiten, aber nach dem FSJ erstmal auf Reisen gehen. Beide sagen: „Ich bin viel selbstständiger geworden und habe gelernt, Verantwortung für mich und andere zu übernehmen.“

Kontakt: Anna-Katharinenstift Karthaus, Jörg Seichter, Tel.: 02594 968-169, E-Mail: joerg.seichter@akstift.de. Werkstätten Karthaus, Simone Jasper, Tel.: 02594 8932-220, E-Mail: simone.jasper@werkstaetten-karthaus.de

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