Biogärtnerei mit Nützlingen und Bienenvölkern

Ein Bienenvolk hilft bei der Bestäubung auf der Obstbaumplantage der Bio-Gärtnerei auf der Karthaus.

Dülmen. Was für die Natur gut ist, ist auch für den Menschen gut: Biologischer Gemüseanbau funktioniert ohne Pestizide und genveränderte Pflanzen. „Für uns zählt nicht nur das Bio-Siegel. Wir betreiben ökologischen Anbau aus Überzeugung“, sagt Hermann Wessels, Gärtnermeister in den Werkstätten Karthaus. Die Bioland-Gärtnerei erhielt aktuell erneut das Gütesiegel von der ABCERT, der neutralen, objektiven Kontrollstelle für Zertifizierung im ökologischen Landbau.

Hermann Wessels und sein Team probieren immer wieder Neues aus, um ihre Pflanzen umweltschonend, ertragreich und schmackhaft zu züchten. Seit letztem Jahr steht nun ein Bienenstock nahe der Obstbaumplantage. Die Bienen sorgen für eine stärkere Bestäubung. „Im letzten Jahr konnten wir nicht viel davon merken, da nach der Blütezeit der Frost viel zerstört hat. Die Bienen waren aber auch in den Gewächshäusern aktiv und die Tomatenpflanzen haben deutlich mehr Früchte getragen“, erzählt der Gärtnermeister. In einem Umfeld von drei Kilometern ist das Bienenvolk aktiv. Zudem gibt es an der Wiese ein Insektenhotel. Denn auch Schmetterlinge, Schwebfliegen und Hummeln setzen sich auf die Bäume und verteilen den kostbaren Blütenstaub.

Da die Gärtner keine Pestizide einsetzen dürfen, verwenden sie natürliche Mittel, um Schädlinge zu bekämpfen. „Wir setzen Nützlinge ein“, sagt Wessels und zeigt einen Teller mit Kleie, die als Trägermaterial für Milben gilt. „Die Raubmilbe, eine winzige Spinne, frisst beispielsweise die Thripse. Das ist ein Schädling, der sich gerne auf Kräuter setzt und die Blattzellen aussaugt. An den Blättern sind dann kleine helle Flecken erkennbar“, so der Experte. Zudem sind Trauermücken unliebsame Gäste und befallen gerne Paprika- und Gurkenjungpflanzen. Ihre Larven sitzen in der Erde und ernähren sich von der Wurzel, die nach und nach zerstört wird. Auch hier schafft die Raubmilbe Abhilfe.

Ein beliebter Nützling bei Biogärtnern ist die Schlupfwespe, eine sehr kleine Fliege. Sie legt ihr Ei in der Blattlaus ab, die geschlüpfte Larve frisst die Laus dann von innen und verpuppt sich. „Damit kann ich die Läuse das gesamte Jahr in Schach halten“, sagt Wessels. Gegen Pilzerkrankungen, die besonders Kohlsorten befallen, hat sich die abwechslungsreiche Fruchtfolge, in der auch Zwischenfrüchte  und Gründüngungen mit Klee eingebaut sind, bewährt. Auf dem Acker bauen die Gärtner ein Kohlgewächs erst nach maximal sieben Jahren wieder an. Die Pflanzen sind somit viel widerstandsfähiger.

Bereits seit 13 Jahren hat sich die Karthäuser Gärtnerei auf Bio-Produkte spezialisiert und vor über zehn Jahren den hauseigenen Naturkostladen „Naturprodukte Karthaus“ eröffnet. Hier erhalten neuerdings alle Kunden, die mit dem Fahrrad anreisen, fünf Prozent Rabatt auf alle Produkte.

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